Eine
Veranstaltung der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing
mit dem Gemeindearchiv Gräfelfing
In dieser deutsch-koreanischen
BR/SBS-Koproduktion
geht es um das Leben des Koreaners Dr. Mirok Li(1899-1950), der als
einziger Sohn eines fortschrittlichen Großgrundbesitzers
in die nach strenger Sitte konfuzianistisch geführte Gesellschaftsordung des
alten Koreas hineinwächst, aber
1919 wegen Teilnahme an Protestaktionen aus dem von Japan besetzten Korea flüchteten
muss. Der Film erzählt in den koreanischen Passagen von Mirok Lis
Kinderspielen mit Cousin Suam, dem Tod seines Vaters, der Verheiratung mit
der älteren Mun-Ho Choi in seinem 12. Lebensjahr bis zu dem Tag, an dem er
seine Mutter und die Ehefrau zurücklässt, um nach Seoul zu gehen. Parallel
wird skizzenhaft die Besetzung Koreas durch die Japaner (1910) erzählt.Über Shanghai kam Mirok Li 1920 nach Deutschland.Er fand im Kloster Münsterschwarzach Aufnahme. Später studierte er
Medizin und Biologie in Würzburg, Heidelberg und Münchenund wurde hier promoviert. In München bekam er u.a.
Kontakt mitProf. Kurt Huberund dem Umfeld der
Geschwister Scholl. Seit 1931 lebte er
bei seinem Gönner, dem Kunsthistoriker Prof. Alfred Seyler, in der Akilindastraße in
Gräfelfing. 1939 berichtete er bei der Literarischen
Gesellschaft Gräfelfing, bei der er auch Mitglied war, über sein Heimatland und zeigte Lichtbilder. 1943 wurde in Gräfelfing der
Schriftsteller-Kreis "Montags-Kolloquium" gegründet. 1946 landete Mirok Li mit "Der Yalu fließt" einen
Überraschungserfolg auf dem deutschen Buchmarkt, ein
Buch, das jahrzehntelang hierzulande den einzigen literarischen Bezug zu
Korea darstellte und das erst 1959 in Korea erschien.
Die letzten beiden Jahre seines Lebens widmete sich
Mirok Li seiner Arbeit als Lektor für koreanische
Sprache, chinesische Literatur und Geschichte im Ostasiatischen Institut an
der Universität München.Erstarbnach schwerer Krankheit 1950 und wurde auf dem
Gräfelfinger Friedhof begraben.
Mirok Li wird wegen seines Engagements in Deutschland im Kreise seiner
Freunde und Förderer als „Botschafter zwischen den Kulturen“ über den Tod
hinaus verehrt. Nachdem der Film, ursprünglich gedreht als
Dreiteiler, zum 60. Todestag von Mirok
Li im März 2010 im Bayerischen Fernsehen, spätabends aber mit gutem Erfolg, in
einer gekürzten Fassung lief, konnten wir ihn in Gräfelfing in einer etwas
längeren Fassung zeigen. Gedreht wurde im Oktober 2008 in Heidelberg,
Münsterschwarzach, München und Gräfelfing. Die deutschen Innenszenen
entstanden größtenteils in Korea im Studio.
In der 123-Minuten-Fassung sind, wie in der im BR gezeigten
85-Minuten-Fassung und wie auch in der 102-Minuten-Fassung,
die am 1.11.2010 in BR alpha lief, die koreanischen Dialoge deutsch untertitelt. Plakat Literarische Gesellschaft
Der Yalu ist ein
Grenzfluss zwischen der
Mandschurei und
Nordkorea. movie poster
Filmausschnitt mit Daniela März
"Kaum jemand hat so ein
glückliches Leben gehabt wie ich.
Wer hat schon zweimal eine Heimat und so viel Liebe bekommen!"
Regisseur Jonghan Lee macht Aufzeichnungen am Grab von Mirok Li.
Gedenktafel an der Grabstätte von Prof.Kurt Huber im Waldfriedhof München
Grabstätte Nr. 21-W-22)
"Mirok Li war ein
Gelehrter, Schriftsteller und auch ein Kulturmittler, dem eine tiefe und
weite Einsicht historischer Realitäten gegeben war und dem deren Erfassung
so leicht fiel. Er war ein Menschenfreund, der sich um Respekt für die Liebe
zu den Menschen bemühte. Er entwickelte deshalb eine ausgeglichene
Persönlichkeit, die eigenständige Anstrengungen unternahm, dem Westen den
Stolz und die Weisheit des Ostens näherzubringen. Ohne dass die Werte des
Fernen Ostens Schaden erlitten, gelang es ihm dreißig Jahre lang, ein
objektives, klares Bild von seiner schönen koreanischen Heimat zu
vermitteln."
Prof. Dr. Kyu-Hwa Chung, Präsident der Mirok
Li-Gedächtnis-Gesellschaft
Ein Bild des Kindes ersteht in diesem
Buch, ein Urtyp von Elternhaus, Familie und Heimat. Ein Buch, das sich an
alle wendet, die sich aus jenem Paradies der Kindheit nicht vertreiben
lassen, ein Buch auch für Kinder. Mehrere Jahre arbeitete Mirok Li an seiner
autobiographischen Geschichte Der Yalu fliesst, die 1946 erschien, und wurde
damit in der literarischen Welt der deutschen Nachkriegszeit bekannt. "Das
im besten Deutsch geschriebene Buch des Jahres stammt von einem Ausländer:
Mirok Li," urteilte damals die Kritik. Aus allen Teile Deutschland erfuhr er
ein beglückendes Echo auf sein Buch. "Mirok Li ist nicht bloß ein Mittler
zwischen Korea und dem Westen gewesen, der -- wie er einmal sagte -- die
Bedeutung des ostasiatischen Denkens eigentlich erst in Europa entdeckte,
sondern auch ein Mittler zwischen einer heilen und einer verletzten Welt,
die sich den Festlegungen nach Ost und West entzieht. Wer die vignettenartig
nebeneinander stehenden Kapitel des Buches Der Yalu fliesst unter diesem
Aspekt aufnimmt, wird vieles über die -- oft etwas wehmütige -- Seele Koreas
erfahren, aber unversehens vielleicht nicht weniger über tiefe, halb
vergessene Schichten seines eigenen Daseins." (Quelle:
Korean Book Services)